Kolumne

Apropos Dating

Die meisten Männer heutzutage haben es nicht mehr so mit der Romantik. Da wird die ganze Kraft und Mühe auf den Job gelenkt, während Frauen häufig den Status eines Beiwerks genießen. In den Restaurants und Discos ist immer wieder die gleiche Szenerie zu beobachten. Gutsituierte Singlemänner lassen sich mit schlecht blondierten Klonen Z-Prominenter blicken, ohne den Anschein eines oberflächlichen Beisammenseins zu verlieren.

Dabei sollte doch der Sinn von Date-Roulette die Suche nach der wahren Liebe und nicht Ware Liebe sein?

Es scheint, als ob viele Paare nur deswegen zusammen finden, weil einer mehr liebt. Das wiederum schmeichelt dem anderen derart, dass er in der Funktion des Gebrauchten aufgeht und, wie überraschend, bleibt. In der Regel wird der mehr-liebende Part von Frauen besetzt, während Männer sich in der Rolle des begehrten Traummanns mit Doppelleben wohl fühlen.
Doch was kann so toll daran sein alle seine Wünsche und Begehren in ein männliches Wesen zu stecken, das einem nie im Innersten wirklich gehören will? Zeichnet wahre Liebe nicht gerade die Fähigkeit aus, jemanden los zu lassen und nicht zu besetzen? Traurig, wenn aus frustrierten Hausfrauen Brutmaschinen mutieren, die ihre genetische Überlegenheit einzig dem Zwecke widmen das Männchen zum Bleiben zu zwingen. Würde es eine Statistik geben, die anzeigt, wie viele Ehen nur Dank Kinder entstanden sind oder durchgehalten werden, würden wir sicherlich so manche Überraschung erleben.

Noch mehr kann man den Männern vorwerfen, die solch einem Arrangement offen gegenüber stehen. Allesamt Feiglinge, die nur von einem einzigen Grund angetrieben werden: Angst! Denn wenn man(n) die „Alte“ eh nicht hundert Prozent liebt, kann man auch nicht im Herzen verletzt werden. Und die Freiheit braucht man ebenfalls nicht aufzugeben. Klingt nach einem Sechser im Lotto für alle Nachfahren des Hahn im Korbs.

Natürlich gibt es diese Konstellationen heutzutage ebenso umgekehrt. Nur seltener, zumindest was meinen bisherigen Erfahrungshorizont angeht.

Doch was macht diejenige, die sich nach einer ausgewogen leidenschaftlichen und romantischen Beziehung sehnt? Schließlich ist ein Mann, der die Tür aufhält, schwerer zu finden, als ein Taschen-Sondermodell bei Louis Vuitton. Und wenn man obendrein verlangt, dass dieser einen wirklich im tiefsten Innern erkennen soll, steht man ziemlich schnell allein dar. Denn schönere und jüngere Versionen seiner selbst, zumindest was das äußere Erscheinungsbild betrifft, gibt es in Hülle und Fülle. Doch wer das innere Licht des anderen erblickt und zu schätzen gelernt hat, dessen Augen werden nicht mehr so schnell von optischen Reizen geblendet werden. Und das nenne ich ein gesundes Fundament für die Liebe. Hinzu kommen zahlreiche weitere Ansprüche, was gemeinsame Vorstellungen, Hobbies oder Erwartungen betrifft, was die Suche nach Mr. Big nicht gerade erleichtert.

Beim ersten Date lässt sich ein verborgener Diamant wahrlich nur schwerlich erkennen. Oftmals wird zu viel oder zu wenig in den Charakter seines Gegenübers hinein interpretiert. Es lohnt sich „ in dubio pro reo“ zu handeln, also im Zweifel für den Angeklagten und sich auf ein zweites Rendezvous einzulassen. Auf keinen Fall sollte man sich überstürzt in eine flammende Affäre stürzen, die nur zu weiteren Brandverletzungen im Herzen führt, selbst wenn man sich noch so sehr einen Partner wünscht. Denn es verhält sich mit unseren Träumen wie mit Beziehungen. Hält man zu sehr daran fest, klappt gar nichts. Loslassen lautet die Devise, die es uns ermöglicht mit gesundem Menschenverstand und positiver Grundeinstellungen darauf zu vertrauen, dass alles von allein auf uns zukommt, wenn die Zeit gekommen ist.

So schlimm ist das Dating-Karussel nun auch wieder nicht. Im schlimmsten Fall führen flüchtige Begegnungen zu einem Abend, an dem man flüchtet.

Bitte bewerten
Anzahl: 2 Bewertung: 5

Show More

Klaudija Paunovic

Hier schreibe ich mit Herzblut über alle Themen, die mich interessieren. Schon als Jugendliche schrieb ich für die Schülerzeitung. Es folgte die freie Mitarbeit bei Tageszeitungen wie Express und Rheinische Post. Und auch heute noch fröhne ich meiner Schreibleidenschaft auf diesem Blog. Wenn du mehr über mich erfahren möchtest, gibt es hier noch mehr Infos: »Mehr über mich«

Related Articles

Back to top button
Close
Close