Kolumne

Mit Gelassenheit zum Glück: die etwas anderen zehn Gebote

Charlie Chaplin prägte einst den bekannten Ausdruck „Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.“ Gemessen an den Gesichtern, die einem im Alltag über den Weg laufen, scheint das Leben Verlierer zu bevorzugen. Bei den meisten Menschen bedarf es nicht einmal echter Katastrophen, um sich im Sumpf von Selbstmitleid zu suhlen.

Pessimismus als Volkskrankheit? Jeder sieht im Laufe seines Daseins die Welt mindestens einmal durch das Gegenteil der rosaroten Brille. Doch dauert der Zustand schlechten Schlafs, innerer Unruhe und übermäßiger Gereiztheit länger als eine Woche an, wird es höchste Zeit den Ausbruch aus der „Alles ist Blöd“-Spirale zu wagen.

Der Glaube kann Berge versetzen

Unter dem Begriff „Glaube“ ist keineswegs nur die Vertretung religiöser Ansichten zu verstehen, damit lassen sich ebenso innere Überzeugungen, moralische Grundsätze und andere Verhaltensweisen definieren, die unser Rüstzeug zur Bewältigung des Lebens darstellen. Schon der römische Kaiser Marc Aurel wußte: „Das Glück im Leben hängt von den guten Gedanken ab, die man hat.“ Wer sich auf die Suche nach dem Glück begibt, der muss nicht allzuweit reisen, sondern einfach seine innere Haltung überdenken. Die folgenden Gebote verhelfen nicht nur Phantasten und Philosphen zu mehr Gelassenheit und Glück im Dschungel der Gesellschaft.

1. Reichtum fängt im Innern an

Materieller Reichtum ist für die meisten Menschen das Wichtigste auf dem Planeten. Sie sind davon überzeugt, dass Freiheit, Unabhängigkeit und Macht allein denen vorenthalten sind, die genug auf dem Bankkonto haben. Dabei bedarf es keinerlei Piepen, um die Gefühle, die man mit dem Reichsein verbindet, ausleben zu können. Denn natürlich wissen wir, dass niemand mehr wert ist, nur weil er mehr hat.

Außerdem darf sich der westliche Erdbürger am wenigsten beschweren. Hunger, Durst und Obdachlosigkeit betreffen ihn am wenigsten. Verglichen mit der Situation in Dritte-Welt-Ländern leben wir geradezu im Luxus. Und so abgedroschen es auch klingen mag, aber die wirklich wichtigen Dinge, wie Glück, Liebe, Gesundheit und Zufriedenheit kann man nicht mit Geld kaufen.

Wenn man sich also vielmehr auf das konzentriert, was man hat und nicht auf das, was man nicht hat, sollte der erste Schritt in eine reichere Zukunft problemlos gelingen.

2. Dinge, die man ändern kann, ändern

„Mein Job ist so scheiße“, „Mein Freund ist ein Arschloch“, „Alles kotzt mich an“ – allzu leicht werden diese Floskeln heutzutage verwendet ohne sich darüber im klaren zu sein, dass man selber der Kreateur seines Lebens ist. Keiner ist gezwungen für immer und ewig dieselbe Arbeit, denselben Partner oder dieselbe Umgebung haben zu müssen. Wer ständig nur meckert ohne die eigentliche Wurzel des Übels zu bekämpfen, ist entweder feige oder weniger unzufrieden als er zugeben mag. Denn schließlich kann sich der Kläger im Augenblicke des Beklagens der ungeteilten Aufmerksamkeit und des tiefen Mitgefühls seiner Zuhörerschaft versichert sein.

Doch wie bei allem im Leben kommt es ebenso hier auf das rechte Maß an. Wer sich zu oft beschwert läuft Gefahr sein Publikum auf Dauer zu langweilen. Einziger Ausweg: Die Dinge ändern, die man ändern kann!

3. Zu viel Denken ist Zeit verschenken

Wenn zu viel Gehirnschmalz beim Denken aufgewendet wird, kann sich der gesunde Menschenverstand schnell ins Gegenteil verkehren. Denn gefangen im mentalen Masochismus erscheinen Lösungen umso ferner, je mehr über diese nachgedacht wird. Einziger Ausweg aus der Sisyphos-Cogitatio: Einfach mal an Nichts denken. Nur wer seinen Gehirnzellen Ruhe gönnt, schaft Raum für neue Ideen und gewinnt sein objektives Urteilsvermögen zurück.

Bevor man also den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, lieber ein Denkpäuschen einlegen! Aber Achtung! Nixdenken bedeutet nicht, an was Anderes zu denken, sich vom Fernseher berieseln zu lassen oder Mittagsschläfchen zu halten, vielmehr ist damit der Umstand verbunden sich jedweder bewusster Gedanken zu entledigen. Und da unser Gehirn nun mal kein Kleidungsstück ist, das wir einfach ablegen können, ist der Zugang zur meditativen Mitte wohl nur Buddha selbst vorenthalten. Allen anderen sei gesagt: Der Weg ist immerhin auch ein Ziel!

4. Jeder kriegt, was er verdient

Unfairen Behandlungen ist jeder im Laufe seines Lebens ausgesetzt. Manchmal kann man sich dagegen wehren und manchmal bleibt einem diese Möglichkeit versagt. Die Suche nach einer Antwort auf das „Warum gerade ich?“ ist dabei genauso fehl am Platz wie der Versuch Dinge ungeschehen zu machen. Unser Gehirn mag zwar die temporäre Abfolge von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verstehen, nicht aber die Logik eintreffender Ungerechtigkeiten. Da kann man es auch gleich ganz sein lassen und die eingesparte Energie an Rache, Wut und/oder Selbstmitleid lieber in ein Update seiner Persönlichkeit investieren. Denn geht man davon aus, dass jeder auf dieser Erde früher oder später das kriegt, was er verdient, heißt das im positiven Sinne auf einen selbst übertragen: Von nix kommt nix.

5. Loslassen um zu (er-)halten

Vermutlich ist der ständige Drang des Begehrens ein genetisches Relikt aus Urzeiten, in denen ein starker Wille das Überleben unserer Vorfahren sicherte. Heute wird dieser Instinkt von der Werbeindustrie benutzt, um uns mit Markenbotschaften versehene Ziele vorzugaukeln. Ob wir nun schlank, ewig jung, erfolgreich oder am besten alles zugleich sein wollen, die Liste an materiellen und ideellen Wünschen ist unendlich weiterführbar. Um dem inneren Glück genüge zu tun, ist es allerdings wichtig zwischen stillbaren und unstillbaren Verlangen unterscheiden zu können. Ansonsten kann es ganz schön frustrierend sein niemals den Mond betreten, mit 200kg den Laufsteg erobern oder König der Erde werden zu können.

Hat ein erreichbarer Wunsch sich erst einmal in Dein Herz geschlichen, ist es wichtig diesen nach einer gewissen Zeit auch wieder loszulassen, damit er in den Himmel steigen kann, wo der liebe Gott schon ganz sehnsüchtig auf ihn wartet. Sollte dieser allerdings mit der Umsetzung auf sich warten lassen, hat er entweder etwas Besseres für einen vorgesehen oder verlangt einem zuerst die Geduldsprobe ab.

6. Weniger Freunde sind mehr

Der berühmte Philosoph Arthur Schopenhauer sagte einst: „Was dein Feind nicht wissen soll, das sage deinem Freunde nicht.“ Opfer von Verrat, Neid und Lästerei wird man selten aus der Ferne. Schließlich kennt niemand die eigenen Unzulänglichkeiten besser als ein nahestehender Mensch. Doch da niemand wirklich eine Insel ist, umgeben wir uns oft genug mit Bekannten, Freunden und Verwandten, die uns mal mehr oder weniger gut tun.

Bevor der Stempel wahrer Freundschaft allzu leichtfertig vergeben wird, sollte jeder zunächst sein eigener bester Freund sein. Denn, je weniger einsam, verzweifelt und abhängig man von anderen ist, desto mehr Ansprüche stellt man an seine Umwelt. Und das wirkt wiederum umso attraktiver auf Personen, die lieber allein als von Mitläufern umgeben sind.

7. Sich in Geduld üben

Als es noch keine Handys, Smartphones und iPhones gab, hatte man sich an feste Zeiten bei Verabredungen zu halten. Heutzutage ist es kaum noch vorstellbar nicht  jederzeit telefonisch erreichbar zu sein oder Informationen sofort zu googeln statt mühselig im Lexikon nachzuschlagen. Dadurch haben wir uns ein Tempo angewöhnt, das nun auf alle Bereiche des Lebens zu übertragen versucht wird. Nichts kann uns schnell genug gehen – am besten schon gestern!

Dabei heißt es nicht umsonst: Gut Ding will Weile haben. Alles, was für dich auf dieser Erde bestimmt ist, findet früher oder später den Weg zu dir. Es hilft nichts mit Brechen und Biegen dem Schicksal auf die Sprünge helfen zu wollen. Gott selber hat die Welt schließlich auch nicht an einem Tag gebaut. Und wie man am Ergebnis sieht, hätte er besser daran getan mehr als sechs Tage zu investieren.

Bevor man also vorschnell Entscheidungen trifft, die man später bereuen könnte, sollte lieber eine Nacht drüber geschlafen werden. Denn die wirklich wichtigen Dinge laufen einem im seltensten Fall davon.

8. Träumen nicht vergessen

Als Kind haben wir uns keine Sorgen darüber gemacht, ob das Zimmer aufgeräumt, die Zähne geputzt oder die Klamotten sauber sind. Viel lieber brachten wir den lieben langen Tag mit tausenden von Spielarten zu. Zumindest so lange bis wir irgendwann durch unsere Eltern, Lehrer und Arbeitgeber eines besseren belehrt wurden: Nur eine Beschäftigung, die Geld einbringt, ist eine gute Beschäftigung.

Während des Prozesses des Erwachsenwerdens haben viele einen Großteil ihrer kindlichen Vorstellungskraft und Lebensfreude eingebüßt. Die Welt, einst als riesiger Abenteuerspielplatz verehrt, hatte sich zum einen Mal als triste Arbeitswelt entpuppt, in der getreu dem darwinschen Gesetz nur „der Stärkere überlebt“.

Ein bisschen Phantasie schadet nie! Denn die Träumerei verleiht uns Flügel, mit denen wir die Bodenwarte aus verlassen können. Und wie Reinhard Mey in seinem Lied „Über den Wolken“ zu singen pflegt, rücken dabei  „nicht nur Ängste und Sorgen in den Hintergrund […], auch unscheinbare Zusammenhänge fügen sich plötzlich wie Puzzleteile zu einem großen Ganzen zusammen. „

9. Auf sein Bauchgefühl hören

Um sein Bauchgefühl überhaupt wahrnehmen zu können, muss man sich frei von jedweden gesellschaftlichen Zwängen, Vorstellungen und Sanktionen machen. Das ist freilich schwerer als gedacht, wenn Mutters Stimme immer noch in den Ohren nachhallt: „Kind, du musst dies und das tun!“

Fakt ist, dass wir alle instinktiv spüren, wenn uns gewisse Meinungen und Menschen gegen den Strich gehen. Warum das so ist, liegt oftmals außerhalb logischer Erkenntnis verborgen. Ob nun innere Stimme oder  tiefenpsychologische Verhaltensmuster dahinter stecken, ist schwer unterscheidbar, da beide doch derselben unbewussten Ebene entstammen.

In dubio pro patientia! Bevor man sich von zweifelhaften Gefühlen zu einer vorschnellen Entscheidung leiten lässt, sollte unbedingt das siebte Gebot zu Rate gezogen werden. Denn mit ein wenig Geduld und dem notwendigem Quentchen Abstand treten nach einiger Zeit oft die wahren Hintergründe ans Tageslicht.

10. Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper

Was nützen einem die besten Ideen, wenn man körperlich kaum in der Lage ist diese umzusetzen? Und damit meine ich nicht angeborene Behinderungen, für die niemand etwas kann, sondern angeworbene Beeinträchtigungen, die sich im Laufe der Jahre durch unbedingtem Gehorsam gegenüber dem inneren Schweinehund entwickelt haben.

Niemand bleibt ewig jung, auch wenn uns dieser Mythos auf ewig beschäftigen wird. Oscar Wilde hatte nicht ganz unrecht, als er schrieb: „Jeder von uns ist sein eigener Teufel, und wir machen uns diese Welt zur Hölle.“ Umgekehrt betrachtet kann demnach jeder einzelne zur Erschaffung eines Paradieses auf Erden beitragen. Um allerdings aktiv daran mitwirken zu können, ist neben einem gesunden Geist ein gesunder Körper unabdingbar. Mit Fast Food und Faulenzerei wird dieses Ziel sicherlich nicht langfristig erreicht werden können. Wer für eine vitale Zukunft vorsorgen will, der muss sich heute schon mit Sport und richtiger Ernährung auseinander setzen. Und was genau das für jeden einzelnen bedeutet, das verrät einem im wahrsten Sinne  des Wortes das Bauchgefühl!

 

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Klaudija Paunovic

Hier schreibe ich mit Herzblut über alle Themen, die mich interessieren. Schon als Jugendliche schrieb ich für die Schülerzeitung. Es folgte die freie Mitarbeit bei Tageszeitungen wie Express und Rheinische Post. Und auch heute noch fröhne ich meiner Schreibleidenschaft auf diesem Blog. Wenn du mehr über mich erfahren möchtest, gibt es hier noch mehr Infos: »Mehr über mich«

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