ArtDüsseldorf

Der Mann mit der roten Couch Horst Wackerbarth: „Wir können viel von Afrika lernen“

Ausstellung in Schloss Reuschenberg stellt 70 Bilder aus 40 Jahren kreativen Schaffens aus

Alles begann vor knapp vier Jahrzehnten in New York, als der junge Künstler Horst Wackerbarth im Schlafsack auf der roten Couch eines Freundes übernachtete. „So entstand die erste Beziehung,“ erinnert sich der Fotokünstler an diese verhängnisvolle Nacht zurück. „Inzwischen hat sie mich in Geiselhaft genommen. Sie ist ein Thron, ein Kommunikationsort, ein gemeinsamer Nenner, um den Bettler und den Milliardär, den Analphabeten und den Nobelpreisträger in der ganzen Welt zu verbinden.“

Horst Wackerbarth
Als die rote Couch 2011 von Polarbären ruiniert wurde, sorgte ein Unternehmen dafür, das sie wieder wie neu hergerichtet wurde.

Inspiriert vom französisch-amerikanischen Objektkünstler Marcel Duchamp wandelte er die rote Couch zum Readymade, d.h. er löste sie aus ihrem funktionalen Umfeld und setzte sie neu als Kunstobjekt in Szene. Und warum eine rote und nicht grüne, gelbe oder blaue Couch? „Rot ist eine Farbe, die für Feuer und starke sexuelle Austrahlung steht. Sie kommt in der Natur nicht häufig vor und es war immer sehr aufwendig Mäntel von Fürsten oder Kardinälen mit Läusepulver rot einzufärben. Rot steht für Reichtum und auch für Alarm.“

Fast die ganze Welt hat Wackerbarth mit dem roten Sofa bereist und dabei Fotografien mit tiefsinnigen Botschaften fest gehalten. „Ich könnte weitaus mehr Bilder verkaufen, wenn ich dekorativer wäre,“ weiß er. Motive, die eine Müllhalde, einen Schlachthof oder Friedhof zeigen, sind nun mal nicht für jeden etwas. Aber zum Glück gibt es ja Sammlergruppen, die stets mehrere Bilder auf einmal kaufen. „Bei der Menge fällt das dann weniger auf,“ scherzt der gebürtige Nordhesse.

Doch vierzig Jahre auf Reisen haben ihren Tribut gefordert. „Mittlerweile ist die vierte Couch im Einsatz. Eine ging bei einem riskanten Schiffsmanöver über Bord, die zweite wurde bei einer Feuerwehrübung verbrannt und die dritte versehentlich in einem Frankfurter Museum für Sperrmüll gehalten und weg geworfen.“ Die jetzige vierte Version, die bereits seit 1996 im Einsatz ist, soll aber die letzte bleiben. „Dafür sorgt ein Unternehmen, das sie immer wieder restaurtiert.“ Schließlich muss es die eine sein, denn „diese ist aufgeladen und mein ganz persönlicher Fetisch.“

Horst Wackerbarth
Eine Bilderserie mit politischem Gewicht: Hier schwamm Mao Zedong 1966 sieben Kilometer im Yangtse, um seinen Widersachern Stärke zu demonstrieren. Zugleich galt diese Geste als Startsignal für die Kulturrevolution der Roten Garden, welche Millionen von Menschen das Leben kostete.

In der Ausstellung „The Red Couch – A Gallery of Mankind“ auf Schloss Reuschenberg in Neuss werden aktuell 70 Werke aus 40 Jahren Schaffenszeit präsentiert. Darunter auch seine erste Fotografie „Der Bauarbeiter“ sowie seine vorerst letzte „Baobab“, welche von seiner letzten Afrikareise zeugt. „Der Baobab ist DAS Symbol für Afrika.“ Über 2.500 Jahre alt kann solch ein Affenbrotbaum werden, der nicht gerade für seine Schönheit bekannt ist, aber den Afrikanern wertvolle Dienste leistet. So werden seine Wurzeln zur Leberreinigung genutzt, die Blätter wie Spinat zubereitet, die Rinde zur Herstellung von Seilen verwendet und die Samen zu einem reichhaltigen Öl gepresst.

„Wir sehen immer nur Hunger, Bürgerkrieg und Rohstofflager. Ich habe eine afrikanische Sicht der Dinge gefunden und erkenne die ganze Schönheit und den Reichtum der schwarzen Zivilisation. Wir können ganz viel von Afrika lernen,“ schwärmt Wackerbarth von der Solidarität und Warmherzigkeit der Afrikaner. Und dabei begann seine Reise eigentlich wie ein Alptraum. „Mein Team reiste sofort wieder ab, die Couch kam nicht aus dem Hafen und ich brach mir im Dezember die Schulter. Aber ich habe die wahnsinnige Einsamkeit durchgehalten und wurde belohnt!“ 

Während „Entwicklungshelfer hinter hohen Mauern sitzen und mit dem SUV durch die Gegend fahren“, hat er das Vertrauen der Einheimischen gewonnen.  „Ich wurde als ein afrikanisches Projekt wahr genommen, als einziger Weißer in einem rein schwarzen Team. Wenn irgendwo ein Anschlag statt fand, wusste ich binnen zweier Stunden Bescheid, während das auswärtige Amt oft erst Tage später die Info hatte.“

Horst Wackerbarth
Was haben Jimmy Carter, Hugh Hefner, Steve Jobs und Sir Peter Ustinov (siehe Foto) gemeinsam? Sie und viele weitere Berühmtheiten sind auf der roten Couch portraitiert worden.

Schon im Herbst ist der 69-Jährige erneut mit seiner roten Couch auf dem zweitgrößten Kontinent unterwegs, um neue Motive zu finden, die seine Kernbotschaft unterstreichen: „Die Menschen haben viel mehr gemeinsam als uns Hauttfarbe, Religion, Geld und Nationalismus glauben machen wollen.“

Noch bis Mitte September kann die Ausstellung Mittwochs von 15 – 18 Uhr besichtigt werden. Übrigens setzen sich die Kunstinitiative Wurzeln und Flügel e.V. und der Kunstverein Ulmer Höh´ (K.U.H.), welche die Ausstellung gemeinsam unter Obhut von Kuratorin und Kunstliebhaberin Beate Düsterberg veranstalten zur Erhaltung und Umgestaltung der Gefängniskapelle auf dem Gelände der ehemaligen JVA an der Ulmenstraße in Düsseldorf zu einem Ort der Kunst und Kultur ein. Ein kulturpolitisches Engagement, das auch Wackerbarth kürzlich verstorbene Freundin und Schauspielerin Hannelore Elsner tatkräftig unterstützt hatte.

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Klaudija Paunovic

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