Verrückte Vernissage in der Wilhelm Kanzlei in Düsseldorf
Schafe, Nackte und s/w-Fotografien begeistern die Kunstszene
Seit 13 Jahren schon lädt die Kanzlei von Dr. Mark Wilhelm alle acht Monate zur großen Kunstausstellung ein. Ein Happening, das kein Düsseldorfer Kunstliebhaber mehr aus seinem Kalender streichen möchte. Denn in dem altehrwürdigen Bau gegenüber des K21 (Museum für Kunst des 21. Jahrhunderts) wird nicht nur für das Auge Einiges geboten.
„Beim letzten Mal haben wir 400 Flaschen Weißwein aufgebraucht. In diesem Jahr stehen 1.000 Flaschen bereit“. Wilhelm weiß, wie man die Kunstszene bei Laune hält. Wer noch die passende Grundlage suchte, wurde im Garten fündig, wo eine große Auswahl an Grillfleisch und Salaten die knapp 1.000 Gäste erwartete.
Und das Beste: Dank DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) brauchte keiner mehr Fotos einer ausschweifenden Nacht zu befürchten. Oder etwa doch? In seiner Rede schmunzelte Wilhelm: „Wir dürfen keine Fotos mehr veröffentlichen. Also bitte fotografiert euch gegenseitig in unmöglichen Lagen und postet es hinterher auf facebook.“
Adam Karamanlis hat Schafe auch zum Fressen gern
Was haben Karl Lagerfeld, Kleopatra und König Ludwig XIV. gemeinsam? Sie alle wurden von Adam Karamanlis als Schafe auf der Leinwand portraitiert. Die Ironie ist gewollt: „Wir sind alle Individuen und sollten soviel wie möglich von uns selber zeigen, damit wir nicht wie Schafe alle in dieselbe Richtung laufen.“
Vor vier Jahren hatte der charmante Grieche schon einmal in der Wilhelm-Kanzlei seine Schäfchen ausgestellt. Nun zierten noch mehr seiner Werke die juristischen Räumlichkeiten und zogen die Blicke der Düsseldorfer auf sich. Denn ob nackt oder in Designerfashion, Karamanlis Schafskunst ist einfach einmalig! Besonders freute sich der Künstler darüber, dass schon zu Beginn der Ausstellung drei seiner Bilder verkauft worden waren.
Wer jetzt aber vermutet, der Pop-Artist würde vor lauter Schafsliebe auch das Tier an sich schützen, irrt: „Lammfleisch war schon als Kind meine Lieblingsspeise gewesen.“
Nadja Zikes: „Lebendig, menschlich und für jeden was.“
Für genügend Erotik in der Luft sorgten die Bilder der Künstlerin Nadja Zikes mit slowenischen Wurzeln. „Erotik ist ein elementares Bedürfnis, das wir alle haben. Die meisten trauen sich das nicht auszuleben. Ich versuche erotische Träume und Sehnsüchte auf die Leinwand zu bringen,“ so Zikes. Nicht umsonst sind daher die meisten ihrer weiblichen Motive rothaarig wie sie selbst es ist. Ihre Kunst beschreibt sie als „lebendig, menschlich und für jeden was“.
Besondere Aufmerksamkeit erlangten zwei ihrer Akte in Wilhelms Büro, deren Geschlechtsteile jeweils von einem Blatt an einem seidenen Faden verdeckt wurden. Wer kräftig genug pustete, konnte einen Blick auf drunter erhaschen. Das wollte sich natürlich keiner entgehen lassen 😉
Ein großformatiges Bild einer Frau im Liegen wechselte direkt den Besitzer.
Andreas Bretz mit „Bildern aus dem Leben“
Erst vor zwei Wochen noch hatte er mich gemeinsam mit Ex-Monrose-Sängerin Bahar Kizil und Golf-Bloggerin Anja Katharina Baudeck auf der Top Magazin Regatta für die Rheinische Post abgelichtet. Nun stand der erfahrene Fotograf Andreas Bretz selbst im Fokus der Presse, als er zum ersten Mal seine Fotografien der Öffentlichkeit präsentierte. Und zwar ausschließlich in schwarz-weiß, denn „das Leben ist schon bunt genug, so kann man sich besser auf das Bild konzentrieren.“
Eigentlich wollte er nie eine Ausstellung machen, „damit andere Leute nicht drüber motzen können. Aber wenn ich mich so umsehe, passen meine Werke ganz gut hier rein als ruhender Pol zwischen alle den Schafen und Nackten“. Bretz Werke entstehen in der Regel, während er für seinen Auftraggeber, die Rheinische Post, unterwegs ist. „Es ist schon mittlerweile ein Hobby von mir geworden, dass ich in jedem Termin ein Kunstbild zu entdecken versuche.“
Aber ab wann ist ein Foto Kunst? „Das ist schwierig zu sagen. Ich glaube, sobald man mit künstlichen Mitteln eingreift ist es Kunst. Ich würde meine Bilder daher nicht als Kunst, sondern Bilder aus dem Leben bezeichnen.“ Welches Motiv er gern noch fotografieren würde? „Ich habe schon so ziemlich alles fotografiert. Nur Nackte sind nicht so mein Ding, denn nackt ist ja nicht das Leben. Wenn ich es sehe, dann weiß ich es.“
Und zu sehen gab es auf der verrücktesten Vernissage Düsseldorfs einiges. Wer weiß, ob nicht bald ein Foto davon auch in Bretz Sammlung auftaucht?
Noch bis spät in die Nacht feierten Kunstliebhaber und Künstler gemeinsam zu DJ-Klängen und Gogo-Girl-Show.